Unser Weg - Around the World to find Ourselves !

Unsere Route

Montag, 17. Februar 2014

Quo vadis, Tierra del Fuego

Seit 3 Tagen sind wir jetzt in Feuerland unterwegs. Das ganze mit sehr gemischten Gefühlen. Einerseits hat uns das Ende der Welt mit sensationellen Tierbeobachtungen und tollen Fotos verwöhnt, andererseits war es insgesamt die bisher größte Enttäuschung unserer Reise. Aber ich erzähle am Besten mal der Reihe nach.

Mit der Fähre überquerten wir die Magellanstraße. Schon am Anleger der Fähre liessen uns die vielen wartenden großen LKW nichts Gutes erahnen. Die Überfahrt war aber toll. Vor der Fähre sprangen Toninos, kleine schwarz-weiß gefärbte Delfine aus dem Wasser. Ein toller Anblick, leider hatte ich in diesem Moment das falsche Objektiv auf der Kamera, sodass es davon keine Bilder gibt. Es bleibt die Erinnerung, die ich leider nicht mit euch teilen kann.

Nach der Überfahrt überliessen wir das Rennen von der Fähre zum Grenzübergang den rasenden Argentiniern, die hier ein Stück über chilenischen Boden müssen um in ihren Teil der Insel Feuerland zu gelangen. Wir entschieden uns stattdessen zunächst im chilenischen Teil zu bleiben, und das hatte seinen guten Grund: Pingüino Rey ... aber dazu etwas später.

Wir fuhren durch offene Landschaften, die an die argentinische Steppe erinnern nach Porvenir, dem einzigen, größeren Ort des chilenischen Tierra del Fuego.  Dieser Ort sei allen Feuerlandreisenden ans Herz gelegt. So sollte Feuerland aussehen! Ein bißchen verschlafen, kaum Verkehr, versprüht den Charme des "Endes der Welt".  Gleich ein tolles Hostel gefunden und lecker Steak gegessen.

Feuerländischer Gaucho bei der Arbeit

Tolles Hostel in Porvenir
Der nächste Tag sollte uns ein absolutes Highlight liefern. Schon vor der Abreise hatte ich gelesen, dass es auf Feuerland seit einigen Jahren eine kleine Kolonie Königspinguine geben soll. Die Ansiedlung auf Feuerland glich einer Sensation, da man diese Tiere sonst nur unmittelbar auf den Inseln der Antarktis selbst findet. Nur wo genau diese Kollonie zu finden war, konnte ich in Deutschland nicht in Erfahrung bringen. Allersdings hatten wir vor ein paar Tagen Tanja und Armin getroffen, die mit ihrem in Kanada gekauften Mitsubishi 10 Monate bis nach Feuerland gefahren sind. Wer sich für einen solchen Trip entlang der Panamericana interessiert, dem sei der Blog der beiden ans Herz gelegt: travelsouthbound. de

Die Beiden hatten die Königspinguine bereits besucht und konnten uns auf der Karte zeigen, wo wir suchen mussten.

Um gutes Licht zu haben fuhren wir früh los, waren um 10.00 Uhr nach einer Fahrt entlang der Bahia Inutil vor Ort und mussten enttäuscht feststellen, dass die Parkverwaltung den Weg zu den Piguinen erst um 11.00 Uhr frei gibt. Also warten -nicht gerade eine meiner Stärken! Ich fürchtete schon um Punkt 11 kommen die Tourbusse und schütten dutzende von Pinguinfans aus. Aber nichts dergleichen. Um 11 Uhr öffnete sich die Pforte, eine junge Naturschutzpraktikantin begleitete uns zu den Pinguinen, versuchte uns vergeblich 5 min. auf spanisch zu informieren und ließ uns dann mit den Pingüinos Rey allein. Was für ein Erlebnis. Mehr als eine Stunde waren wir mit den Pinguinen und bestem Licht allein, die Tiere keine 5 Meter von uns entfernt, getrennt nur durch einen kleinen Wasserlauf.

Na was soll ich euch erzählen, die Bilder sprechen für sich:

Pingüino Rey,  sind sie nicht schön?

Auch unter Pinguinen gibt es welche mit Figurproblemen.



Spieglein, Spieglein ...

Gott, bin ich schön

Bei der Arbeit

Der wollte mal von nahem gucken!

Noch ein Foto, das glaubt mir sonst keiner.
Nach den Pinguinen ging es weiter zu Grenze nach Argentinien mit dem Ziel Ushuaia, der Stadt am Ende der Welt und Tor zur Antarktis. Und damit kommen wir dann auch zur größten Enttäuschung unserer bisherigen Reise. Man macht sich vor der Reise ja so seine Bilder von den Reisezielen und Ushuaia hatte ich mir immer urig, wild, irgendwie halt abenteuerlich vorgestellt und lustigerweise wird es in den meisten Reiseberichten und natürlich den Katalogen der Reiseanbieter auch so beschrieben. Die Wirklichkeit sieht völlig anders aus. Eine dreckige, laute Stadt mit großem Industriegebieten, in deren Straßen posende Machoargentinier mit " too fast and too furious" Karren für Arme versuchen, die Aufmerksamkeit von flanierendem Antarktis-Kreuzfahrer Publikum zu erregen.

Wir waren da, aber wiederkommen werden wir wohl nicht.

Die einzige schöne Seite von Ushuaia, das Wasser.
Argentinien liegt ja im ständigen Clinch mit Chile und stellt sich gerne als der coole, erfolgreichere, modernere Staat da. Das wird dann so demonstriert, dass alle Straßen durch Feuerland geteert werden damit auch riesige LKW und Poserkarren darauf fahren können, mit subventionierter Industrie und 3-fach höheren Löhnen wie im Rest des Landes werden Tausende ans Ende der Welt gelockt, die die Natur verdrecken. Die Einen nennen das Entwicklung, die anderen Zerstörung. Soll jeder selbst entscheiden, ich habe mir meine Meinung gebildet.

Wer jemals vor der Entscheidung steht seine Zeit in Chile oder Argentinien zu verbringen, dem sei Chile wärmstens empfohlen. Dies gilt nicht nur für Feuerland, sondern für ganz Patagonien.

Ein Bespiel:
In Chile ist ein Nationalpark ein riesiges Gebiet weitgehend unberührter Natur, dass von der nationalen Naturschutzbehörde CONAF meist sehr gut verwaltet wird, der Zugang erfordert oft Allradfahrzeug und die Infrastruktur ist auf das Notwendige beschränkt,  die Zeltplätze aber meist tadellos.

In Argentinien ist ein Nationalpark ein kleines Stückchen verbliebener Baumbestand, in welchen am Wochenende hunderte Großfamilien mit ihren US-Vans einfallen, um auf großen Zeltgrillplätzen Grillorgien zu feiern.

Eigentlich wollten wir 5 Tage in Ushuaia und Umgebung bleiben, nach 2 sind wir wieder geflohen.

Dabei hatten wir einen wirklich schönen Tag auf dem Beaglekanal. Das Boot haben wir mit nur 2 weiteren Deutschen geteilt (die Argentinier schliefen so früh morgens noch ihren Rausch vom Grillfest aus). Auf den Inseln in der legendären Wasserstraße haben wir dann auch endlich unsere Seelöwen gesehen, viele Wasservögel und vom dem netten Guide eine Menge über die Geschichte der Ureinwohner der Region gelernt. Es dauerte übrigens nur 50 Jahre ab Ankunft der Weißen in der Bucht von Ushuaia und alle Ureinwohner waren vernichtet. Die einzige Überlebende zog es vor den Rest ihres Lebens über den Beaglekanal hinweg, auf der Isla Navarino zu verbringen - in Chile also!!!

Seeschwalben

Imperatorkormorane vor großer Kulisse

und am Nistplatz

Unsere ersten Seelöwen

Schaufelraddampferenten
Kormoran
Seelöwen im Beaglekanal
Der Boss

Leuchtturm im Beaglekanal
Antarktissegler vor Ushuaia
Noch ein Kormoran
Außerdem haben wir eine Wanderung durch den Tierra del Fuego NP gemacht. Wie dieses Selbstauslöserfoto entstanden ist verrate ich lieber nicht. Aber kommt mal zu zweit in 10 sec. auf einen Baumstamm über einem See! Sehr spaßig.

?
Nach 2 Tagen sind wir also geflohen und wollten zurück nach Chile, hatten unsere Rechnung aber ohne die Rückreisewelle der argentinischen Grillfans gemacht und mussten feststellen, dass mit dem Verkehr (Rushhour in Feuerland!) die Strecke nicht zu schaffen war. Wir verließen also die Hauptstrecke, fuhren 50km zu einem kleinen See.Hier war die Welt noch in Ordnung, himmlische Ruhe. Wir stellten unser Auto einfach an das Seeufer, aßen ein paar Empanadas, tranken einen Becher Wein und haben so wieder unseren Frieden mit Feuerland gemacht. Geschlafen haben wir im Auto, kein Bock mehr gehabt auf Zeltaufbau!

Heute sind wir zurück nach Porvenir in unser schönes kleines Hostal und geben Tierra del Fuego in den nächsten 2 Tagen noch eine Chance.

Viele Grüße

DölLi & DölLine


Kommentare:

  1. Wieder mal wunderschöne Bilder! Und immer noch strahlende Gesichter :o) - weiter so!
    VG
    c.

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  2. Clemens hat Recht, da sind wiedermal einige posterwürdige Bilder dabei, super schön.
    VG Nadine

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  3. Hallo hier Zwei,
    nach dem Lesen eures Berichtes, schmerzt es uns gar nicht mehr so, es nicht bis Ushuaia geschafft zu haben.
    Es freut uns, dass ihr so viel Spass bei den Pinguinen hattet.
    Wir haben gestern den Papierkram des Autoverkaufs abgeschlossen und sind nun auf der einen Seite erleichtert, dass das alles gut funktioniert hat, aber auf der anderen Seite auch etwas traurig.
    Bis Freitag können wir uns jetzt noch das sonnige Santiago anschauen.
    Wir finden es toll, dass eure Seite immer up-to-date ist und werden sicherlich alle paar Tage vorbeischauen, um unser Reisefieber zu befeuern - was allerdings immer noch brennt ;).
    Liebe Grüsse
    Tanja & Armin

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  4. Hallo ihr Zwei, wiedereinmal schoene Bilder mit super Texten. Tja, Doelli, Dir entgeht aktuell die Radehaeuser Lache! Lg Alex

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